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Knut Langhans

“Experiment gelungen, Schule lebt!“

Man könnte Knut Langhans als altmodisch bezeichnen. Begriffe wie Innovation, Kompetenz oder Kreativität kommen ihm nur schwer über die Lippen. Wer ihn danach fragt, erntet ein freundliches Lächeln. Und dann spricht der Diplom-Physiker über Begeisterung und Hartnäckigkeit, über die innere Befriedigung, die sich einstellt, wenn man sich intensiv mit einem Thema befasst und dabei etwas Neues schafft. Den Ingenieurmangel in Deutschland erwähnt er dabei ebenso beiläufig wie die Tatsache, dass es nicht immer einfach ist, junge Menschen für eine Aufgabe außerhalb ihrer Pflichten zu interessieren, wo doch Computerspiel & Co. einen unglaublichen Sog für sie entfalten.

Und um es gleich festzuhalten: Im Wettbewerb gegen die Unterhaltungsbranche hat Knut Langhans längst gepunktet. Die AGs treffen sich nach der Schule, an Wochenenden und selbst in den Ferien. Die Teilnahme ist freiwillig und hat direkt auf die Noten keinerlei Einfluss, dennoch sind die AGs beliebt. Inzwischen wollen auch die Fünft- und Sechstklässler mitmachen. Der Schwerpunkt der Tätigkeit der jungen Forscher liegt auf der Entwicklung von 3-D Displays und Lasertechnologie. Mit ihren Arbeiten werden sie weltweit zu wissenschaftlichen Kongressen eingeladen. Preise, beispielsweise von „Jugend forscht“, gibt es öfter. Auch die Initiative „Zukunft Technik entdecken“ hat die AG ausgezeichnet.

WIE KREATIVITÄT DEN SINN FÜR TECHNIK WECKT

Knut Langhans - Der Studienrat und
Diplomphysiker lehrt am Vincent-Lübeck-
Gymnasium in Stade. Er betreibt mit Hilfe
eines Vereins Technik- und
Wissenschafts-AGs für Schüler
„Das Ganze ist für mich ein pädagogisches Experiment“, sagt Knut Langhans. „Ich wollte herausfinden, wie man das Mittelfeld herauskitzelt, wie man ihre Talente entdeckt und fördert und wie man sie ans Arbeiten kriegt, so dass sie mit Begeisterung und innerer Freude dabei sind.“ Nicht die Hochbegabten sollten eine Lobby erhalten, sondern ganz normale Mädchen und Jungen. Besonders wichtig dabei: Knut Langhans will nicht nur Jungen fördern. Mädchen sollen ebenfalls die Vielfalt der technischen Möglichkeiten entdecken.

Die Arbeitsgemeinschaften treffen sich in einer alten Windmühle, die von einem Trägerverein mit Unterstützung von Stadt und Landkreis zu einem Jugendforschungszentrum ausgebaut wurde – auch das auf Initiative von Knut Langhans. Dort gibt es ein Chemie- und ein Laserlabor, einen Multivisionsraum und mehrere Seminarräume. Bis zu zehn AGs arbeiten parallel, und sie sind jeweils auf drei Jahre angelegt.

Fast immer geht es darum, Kunst und Technik zu verbinden. Eines der ersten Experimente, noch in den 80er Jahren, war „Vincent’s Starship“, eine computergesteuerte Diashow mit 24 Projektoren, die einen Flug durch Raum und Zeit simulieren sollte. Das jüngste Projekt ist das SOLIDFELIX 3-D-Display – nach vielen Schüler-Generationen die konsequente Weiterentwicklung des Starships. Mit ihm haben die Schüler bewiesen, dass man dreidimensionale Darstellungen nicht mehr auf flächige Displays projizieren muss, sondern volumetrische nutzen kann. Mit ihren Versuchen gelang es ihnen, einen Laserstrahl so auf einen Glasblock zu lenken, dass dieser zum Fluoreszieren gebracht wird. Ergebnis: Man kann das Bild tatsächlich von allen Seiten ohne jegliche Hilfsmittel betrachten! Und wer weiß, vielleicht ist damit der erste Schritt zum 3-D-Fernsehen getan.

FÜRS LEBEN LERNEN

Berlin, Los Angeles, Shanghai – überall da, wo weltweit Forscher und Industrievertreter auf Messen und Kongressen die neuesten Entwicklungen zur Opto-Elektronik, Elektronik oder Laserforschung austauschen, überall da war auch schon das Felix-Team. Pro Woche trudeln mindestens fünf Einladungen an „Dear Felix“ ein. Der Kontakt zu Wissenschaftlern in aller Welt, die Präsentation der Forschungsergebnisse auf Englisch und vor Fachpublikum sind wichtiger Bestandteil der Arbeit in den AGs. So lernen die Schülerinnen und Schüler auch, wissenschaftliche Beiträge zu schreiben, Öffentlichkeitsarbeit zu machen, Zollerklärungen auszufüllen und ihre Schätze so zu verpacken, dass sie auf der anderen Seite der Welt wohlbehalten ankommen. Kurzum, sie lernen das, was man heutzutage mit Projektmanagement beschreibt. Wieder so ein Begriff, den Knut Langhans gern vermeidet. Er erinnert lieber an den römischen Philosophen Seneca, der den Lehrern schon vor 2.000 Jahren vorhielt: „Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.“

Mit dem kleinen Forschungszentrum in der Provinz hat Langhans einen ersten Schritt getan, um seinen Traum einer radikalen Bildungsreform umzusetzen. Ging es nach ihm, böte die Schule viel mehr Möglichkeiten, sich individuell zu qualifizieren. Seine Reform sähe so aus: Es gäbe ein sehr kompaktes Kerncurriculum, das vormittags vermittelt wird, während nachmittags spezielle Arbeitsgruppen geboten würden, in denen die Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung der Industrie, der Wissenschaft oder mit kompetenten Eltern ihr Wissen vertiefen.

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