29. Mai 2006

Tag 1 nach dem IdeenPark und Zeit für ein kurzes Fazit: Neun Tage lang Technik-Festival der Superlative haben weit über 200.000 Besucher aus ganz Deutschland begeistert. An 150 Exponaten gewährten die Ideenmacher von heute Einblicke in das, was sie für die Welt von morgen planen und zeigten, wie spannend die Technik unseres Alltags sein kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel stattete dem IdeenPark ebenso einen Besuch ab wie der niedersächsische Ministerpräsidenten Christian Wulff, und Bundespräsident Horst Köhler wünschte per Grußbotschaft allen IdeenPark-Teilnehmern eine spannende Reise in die Zukunft.
Prominente Gäste wie Bobfahrerin Susi Erdmann oder Rennfahrer Christian Abt zeigten, wie sportlich Hightech sein kann. Für wissenschaftliche Grenzerfahrungen und einen unverbauten Blick in die Welt von 2025 sorgten Zukunftspreisträger wie Karlheinz Brandenburg und Top-Wissenschaftler wie Dirk Spenneberg, die zum Teil Prototypen frisch aus dem Labor oder Equipment direkt aus dem Forschungseinsatz zum IdeenPark mitgebracht hatten.
Und nicht selten setzten sich die Macher und Denker direkt mit den Sorgen und Fragen des Publikums auseinander und diskutierten mit ihnen, wie die Zukunft aussehen könnte und was wir alle schon heute für diese Zukunft tun können.

Was war gestern?

Zum Abschluss des IdeenParks standen noch einige Highlights auf dem Programm, so zum Beispiel Fanta4-Frontman Smudo. Nicht in seiner Eigenschaft als Musiker, sondern vielmehr als Fahrer eines wahrhaft „grünen“ Flitzers trat er am Nachmittag auf die IdeenShow-Bühne. Beim „Bio-Concept-Car“, das er extra für den IdeenPark mitgebracht hatte, steckt die Nachhaltigkeit nämlich nicht nur als Biodiesel im Tank, sondern sogar in der Karosserie, die anteilig aus Hightech-Naturfaserwerkstoffen aufgebaut ist. „Er klingt anders und er riecht anders“, so Smudo, aber trotzdem sei er genauso schnell und kraftvoll wie jeder andere Rennwagen. Und auch der leichte Hauch von Frittenbude würde kaum stören.
Vor der Bühne konnte sich dann Moderator Helge Haas ebenso wie die Zuschauer hautnah von der umweltfreundlichen Hightech überzeugen,
die unter der Motorhaube des schnittigen, rot gelben Mustang GT in Rennversion steckt. Smudo erläuterte die Technik seines Boliden sozusagen „am offenen Herzen“.
Am Abend dann der nächste VIP mit Bühnenerfahrung: Christina Stürmer rockte im obersten Dezibelbereich die Expo-Plaza und gab mit ihrer Show das Abschlusskonzert des IdeenPark 2006.

Miterleben, mitmachen, mitnehmen

In Sachen Mitmachen bot der IdeenPark neun Tage lang sowohl unter freiem Himmel wie auch an diversen Mitmachstationen innerhalb der Ausstellung jede Menge Möglichkeiten zum Austoben.
Im Bereich „Mobilität“ konnten sich die Besucher als Schiffsbauingenieure versuchen und ihre Konstruktionen in einem Wasserbecken testen. An anderer Stelle wurde das Prinzip des Rückstoßantriebs mit Hilfe einer Handpumpe und einer kleinen Raketen vorgeführt. Und welche Dynamik unsichtbar unter unseren Füßen im Erdinneren am Werk ist, zeigte eine mannshohe Weltkarte, die wie ein Puzzle aus den tektonischen Platten der Erde zusammengesetzt war. Was normalerweise in Superzeitlupe über Äonen von Jahren abläuft, konnten die Besucher ganz einfach durch Handauflegen in wenigen Sekunden erreichen: das Erzeugen gewaltiger Erdstöße.

Solarmobil für zuhause

Viele Mitmachmöglichkeiten waren während der Veranstaltung zu Workshops zusammengefasst. Zwei dieser Angebote warteten gestern zum letzten Mal auf der Empore im Deutschen Pavillon auf neugierige Nachwuchskonstrukteure: „AutoDesign“ und „Solar mobil“, veranstaltet von der Wolfsburger „Autostadt“.
Die Wolfsburger verfolgen ein Konzept, für das sie den Begriff „Inszeniertes Lernen“ geprägt haben: „Unser Motto ist im Grunde genommen das Erleben, Erfahren, Erinnern“, sagt Cord Voelkening, Leiter in der pädagogischen Abteilung der „Autostadt“. Man weiß, dass Bildung eigentlich nur dann funktioniert, wenn die Schüler das Ganze wirklich selbst erleben und selbst tätig werden.“
Im Workshop „Solar mobil“ sind die Räder aus Kunststoff, und die Karosserie entsteht aus Karton und Styropor. Die vorgefertigten Bauteile werden per Heißkleber verleimt. Außerdem müssen Kabel mit einer kleinen Solarzelle verlötet werden. „Es ist natürlich ein bisschen anspruchsvoll für einen 6-Jährigen, mit dem Lötkolben umzugehen“, meint Voelkening. „Aber wenn man ihm sagt, auf was es ankommt, macht er das gerne und er macht das auch gut.“ Sind alle Komponenten richtig verdrahtet, treibt die Solarzelle einen walnussgroßen Elektromotor an, der das Fahrzeug in Bewegung setzt.
Und das Beste: Die Kinder dürfen ihre Solarmobil-Konstruktionen und damit auch gleichzeitig ein kleines Erfolgserlebnis mit nach Hause nehmen.

Designen mit Stahl

Am letzten Tag konnte auch die „Nomadic Academy“ Fazit ziehen. 12 Design-Studierende aus Finnland, Deutschland und den Niederlanden hatten im Rahmen des Workshops diverse Edelstahlprodukte entworfen. So kreierte der Duisburger Guido Schröder mit Kollegen aus Helsinki und Eindhoven die Messerserie „Clever Knifes“. Darunter ein 2-teiliges Puzzle aus Brot- und Buttermesser. „Brot und Butter gehören zusammen“, sagt Schröder, „und Brot- und Buttermesser gehören genauso zusammen. Diese Zusammensetzung haben wir versucht, hier darzustellen.“ Andere Studenten hatten Regale und Fensterblenden entworfen. Ein weiteres Ergebnis war ein rund ein Kilogramm schwerer Tortenheber – auffällig nicht nur wegen seines Gewichts, sondern auch aufgrund der eingravierten Zahl 83802. Damit wolle man den Kaloriengehalt von Kuchen und Torten verdeutlichen, so Studentin Kristina Pröhl: „Wenn Sie den Tortenheber 83802-mal hochheben, haben Sie ein Stück Schokosahne-Torte abgebaut.“