23. Mai 2006

Was kommt heute?

Neue Technologien bringen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken mit sich. Verantwortungsbewusstsein auf Seiten von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik ist gefordert. Aber welche Pro und Kontras gibt es bei Themen wie Atomenergie oder Stammzellenforschung überhaupt? Die Talk- und Diskussionsrunden des heutigen IdeenTags liefern genügend Stoff für Debatten und die persönliche Meinungsbildung.
Wie sicher heutige Atommeiler sind, klären Experten im IdeenTalk – wie es hingegen um die Sicherheit in der Raumfahrt bestellt ist, das können Besucher bei der Space-Show hautnah erfahren. Und wer sich für die Sicherheit zukünftiger Fahrzeuge interessiert, sollte einmal beim Rohkarosserie-Konzept NewSteelBody oder dem „sehenden Auto“ des Deutschen Museums vorbeischauen. Ein lohnenswerter Besuch – ganz sicher.

Was war gestern?

Welchen Nutzen ziehen wir im Alltagsleben aus der Raumfahrt? Dieser Frage widmete sich die Space-Show und holte dazu u.a. den größten Vulkan des Sonnensystems in den Deutschen Pavillon. Reisefotos vom Olympus Mons und vielen anderen Mars-Sehenswürdigkeiten konnten die Besucher dank Rot-Grün-Brille in 3D begucken und erfuhren mehr zu den Hightech-Kameras, die auf dem Nachbarplaneten erstmals Wassereis knipsten, die Erdoberfläche mit enormer Tiefenschärfe festhalten oder Bilder schießen, die mit einer Größe von 3 mal 15 Metern jedes Widescreen-Format in den Schatten stellen. Die Zeilentechnologie, mit der die Letztgenannten arbeiten, kann nämlich nicht nur streifenweise die Erde abtasten, sondern langsam gedreht auch extrem großformatige Panoramabilder liefern – in Verbindung mit einem Laserscanner sogar genaueste Vorlagen für Restaurateure und Architekten.

Mars und Österreich in 3D

Alle, die in Sachen Rot-Grün-Brille leer ausgegangen waren, mussten aber dennoch nicht auf 3D-Ansichten zum Hinhängen verzichten. Wartete doch im Innovationsfeld Mobilität ein dreidimensionales Marspanorama, das auch ohne Spezialbrille Tiefe vortäuscht. Das spontan wahrnehmbare Relief funktioniert im Prinzip wie die legendären Wackelbildchen: Linsen und darunter liegende Bildstreifen verheiraten zwei Perspektiven zu einer. Anja Träber von der TU Dresden erklärt, was im Endeffekt geschieht: „Wie im richtigen Leben auch sieht das linke Auge etwas anderes als das rechte Auge.“ Und genau dadurch sorgen Lentikularkarten im Hirn für den räumlichen Eindruck und in Atlanten gepresst schon bald für große Schüleraugen.
Die Dresdner Kartographen haben aber noch mehr zu bieten, nämlich einen virtuellen Flug durch den österreichischen Nationalpark Gesäuse. Mit „Shutterbrillen“ auf der Nase, die im flirrenden Wechsel mal das eine und mal das andere Auge abdunkeln, erscheinen Animationen von Naturwundern und Landmarken interaktiv um die Touristenköpfe herum. Vielleicht nicht Echt-3D, dafür aber echt beeindruckend.

Offroad-Rollstuhl drinnen und Papierjets draußen

Dass in Ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Menschen nur schwer durch österreichische Nationalparks wandern können und auch sonst unter ihrer Immobilität zu leiden haben, hat niedersächsische Entwickler keine Ruhe gelassen. Im deutschen Pavillon steht das vierrädrige Ergebnis ihrer Arbeit: das vom Aussehen her irgendwo zwischen Mond-Mobil und Hightech-Quad angesiedelte „SuperFour“. Das Gefährt „schafft all das, was ein Jeep auch schafft“, betont Wolfgang Raabe und meint damit einen Rollstuhl, der mit Hybrid- und Allradantrieb, Einzelradaufhängung und 40 Prozent Steigungsfähigkeit im Test sogar schon die Dolomiten gemeistert hat. Rollender Stuhl war jedenfalls gestern.
Und während drinnen Neugierige im Outdoor-Mobil probesitzen konnten, stand für junge Besucher der IdeenShow ein Wettbewerb in Sachen Flugzeugbau an. Ganze Papierjet-Staffeln waren bereits in den Tagen zuvor in Richtung Bühne gesegelt,
jedoch nie unter den kritischen Augen eines wahren A4-Flugzeug-Experten wie Werner Gruber. Der Physiker aus Wien war mit den Modellen der Zuschauer ganz zufrieden, nur an dem Flieger von Roboter „Zweipunktnull“ hatte er etwas zu mäkeln. Aber wie soll man auch mit einem einzigen Greifarm vernünftig Falze ziehen. Unmöglich.