
Was kommt heute?
Durch luftige Höhen und in die kalte Tiefsee führen zwei Highlights des heutigen IdeenTages. Im Zweistundentakt gibt der mehrfache Bumerang-Weltmeister Fridolin Frost einen Schnellkurs in seiner Paradedisziplin. Reiseberichte aus den Weltmeeren bis 400 Meter Tiefe präsentiert dann die Bremer Zoologin Karen Hissmann auf der Plaza-Bühne – natürlich nicht ohne Anschauungsmaterial. Quasi im Schlepptau führt sie nämlich das bemannte Mini-U-Boot „Jago“, das einst den urtümlichen Quastenflosser aufspürte.
Im IdeenTalk stellt Ranga Yogeshwar dann die Frage „Welche Schulen braucht das Land?“ und in der Kinder-Uni zeigt Forstwissenschaftler Andreas Roloff, warum Bäume nichts vergessen können. Tiefe Einblicke ins Stammhirn sind dabei garantiert.
Was war gestern?

Zunächst stand im IdeenForum die unternehmerische Verantwortung für Bildung und Wissenschaft auf dem Programm. Eingestimmt durch O-Töne der IdeenPark-Besucher diskutierten u. a. der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft Dr. Arend Oetker sowie der jüngste Uni-Chef Deutschlands Dr. Sascha Spoun.
Gleich nebenan konnten die Zuhörer dann beobachten, mit welchen Innovationen Forscher ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt gerecht zu werden versuchen und dass der beste Konstrukteur immer noch die Natur selbst ist.
Natur als Blaupause

Eines ihrer natürlichen Rohmodelle stand im Bereich „Kreativität“ unter ständiger Zuschauerbeobachtung – wenn es nicht gerade abgetaucht war.
Forscher der TU Berlin haben sich des „Sandfisches“ angenommen, der eigentlich eine kleine Wüstenechse ist und statt im Ozean durch die Sahara taucht. Aufgrund seines Hautkleides, das mit mikrometerfeinen Strukturen ausgestattet ist, gleitet die Echse förmlich durchs Düneninnere. Ihre Schuppen sind glatter als polierter Stahl und extrem verschleißfest. Wo unzählige Sandkörner selbst härteste Materialien längst stumpf geschmirgelt hätten, glänzt der Sandfisch wie neu. Der Traum jedes Materialforschers.
Die Haut eines echten Fisches haben sich indessen Forscher der RWTH Aachen zum Vorbild genommen. Ihre Vision: Pipelines, durch die Öl und Gas ungebremst durch störende Turbulenzen nur so hindurchrauschen. „Wenn man diesen Widerstand verringern könnte, wäre das natürlich hervorragend“, so Martin Fischer, „da ist man auf die Haifischhaut gekommen.“ Diese reduziert mittels fein geriefter Schuppen den Strömungswiderstand des Hais. Und was im Schwimmsport vor einigen Jahren zu neuen Ganzkörper-Anzügen führte, versuchen die Ingenieure nun auf die Innenhaut der Pipelines zu übertragen.
Schlangenroboter im Baukastenprinzip

Am Exponat bewegt sich die künstliche Raupe durch die eingetippten Kommandos eines ihrer Entwickler, jedoch nur um den Schwerpunkt herum. Acht verkoppelte Segmente reichen einfach nicht für eine gerichtete Bewegung. Dafür sind drei Auflagepunkte und mindestens 12 Einzelteile von Nöten. Danach ist man allerdings vollkommen frei in Anzahl und Art der Anschlussstücke. „Wir haben uns eine Technik ähnlich dem Bajonett-Verschluss überlegt, die es uns erlaubt, mit ein paar Handgriffen die Schlange nicht nur in der Länge zu variieren, sondern auch spezielle Werkzeuge daran anzuschließen“, erläutert Maschinenbaustudent Dennis Rebien und zählt die möglichen Einsatzgebiete auf, die vom Katastrophengebiet bis zu modernen Fertigungsstraßen reichen.
Speziell für diese können aus den Segmenten auch komplexere Formen gebildet werden: Verzweigte Anordnungen der Einzelteile lassen Greifarme und Beine aus dem Schlangenkörper wachsen. Rebien: „Wir sind also nicht nur auf die Schlange selber begrenzt, sondern können auch verschiedenste andere Bewegungsapparate abbilden.“
Statt einer Doppelspur hinterlassen die robotischen Mars-Kundschafter der Zukunft vielleicht nur noch eine Schlangenlinie.


