26. Mai 2006

Was kommt heute?

Nur durch Innovationen bleiben unser Land und seine Unternehmen erfolgreich. Wie im Zusammenwirken von Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft neue Produkte und neue Märkte entstehen, zeigt der heutige IdeenTag – anhand eines Industriezweigs, der unseren Lebenswelten Substanz verleiht.
Wie Werkstoffe aus Hochhausfassaden Solarkraftwerke machen, zeigen die Exponate SOLABS und Solartec auf der EXPO-Plaza und im Deutschen Pavillon. Was man unter geklebten Autos versteht, erfahren Neugierige in der Kinder-Uni. Und in der IdeenShow beweisen Modedesigner, dass Edelstahl, Messing, Kupfer oder Aluminium auch auf dem Laufsteg eine gute Figur machen. Stahlharter Chic für die Sommermoden der Zukunft.

Was war gestern?

Den Blick auf das Jahr 2025 geheftet, spielten Schülerinnen und Schüler sowie sechs Preisträger des Deutschen Zukunftspreises einige Szenarien der Welt von morgen durch und diskutierten, mit welchen Mitteln man diese schon heute beeinflussen kann. So unterstrich der japanische Physiker Dr. Kazuaki Tarumi, dass Wissenschaftler einen langen Atem benötigen. „99 Prozent der Forschung gehen schief“, so der Experte für Flüssigkeitskristalle. „Man darf nicht die Antennen für das restliche ein Prozent verlieren. Es ist wichtig, nicht aufzugeben.“ Professor Karlheinz Brandenburg, Miterfinder des MP3-Verfahrens: „Träume sind wichtig. Träume von den Dingen, die andere nicht für möglich halten.“

Enzyklopädie zum Mitmachen

Ein Traum wie etwa der von einer freien Online-Enzyklopädie, die jeder nicht nur einsehen, sondern auch selber mitgestalten kann. Zu dieser Idee und zur Geschichte ihrer Verwirklichung hatte die IdeenShow am Nachmittag Mathias Schindler zu Gast. Schindler ist Mitglied des Vorstands der Wikimedia Deutschland – deutscher Teil der Community unter dem Dach der amerikanischen Wikimedia Foundation und mitverantwortlich für „Wiki-Projekte“ wie etwa Wikisource, Wikiquote und eben der berühmten freien Enzyklopädie Wikipedia. Über 3,5 Millionen Einträge in mehr als 100 Sprachen finden sich mittlerweile auf deren Seiten. Eine Entwicklung, die auch für Schindler zu Beginn 2003 so nicht abzusehen war. „Ich war sehr skeptisch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein Lexikon von allen Menschen bearbeitbar ist.“
Mittlerweile haben sich diese ersten Zweifel jedoch in Luft aufgelöst, nicht nur bei Schindler, sondern auch bei vielen anderen Wikipedia-Nutzern. Die Querschüsse, die trotzdem immer mal wieder gegen das Portal abgefeuert werden, wertet der Student als durchaus produktiv, weil sie eine eigene Positionsbestimmung erleichtern. Dieses Feedback sieht Schindler als Hauptvorteil des Online-Nachschlagewerks: „Wenn Informationen in klassischen Lexika falsch sind, dauert es sehr lange, bis sie korrigiert werden. Es gibt keine geregelten Instrumente, um das nochvollziehbar zu machen. Wir machen das nachprüfbar. Wir lassen quasi öffentlich die Hosen herunter, und dann lachen uns alle aus oder machen es besser.“
Zu Wikipedias Zukunft und der aller anderen „Wikis“ hat Schindler schon einige Ideen auf Lager, wie etwa die Weiterentwicklung der Suchfunktion. Statt Stichwortsuche soll eine tatsächliche Frage-Antwort-Situation realisiert werden. Aus dem Suchparameter „ThyssenKrupp“ wird so die sehr viel präzisere Frage „Wie viele Mitarbeiter hat ThyssenKrupp?“. Mathias Schindler: „Die meisten Leute schauen in Lexika, nicht weil sie schön sind, sondern sie möchten Fragen beantwortet haben.“
Auch könnten in Zukunft Benutzerhandbücher von den Benutzern selbst geschrieben werden. Das Ende unleserlicher Gebrauchsanweisungen.

111.111 Besucher im IdeenPark

Zur Mittagszeit gesellte sich dann eine weitere große Zahl zu den übrigen Superlativen wie den 30.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche oder den 400 Technikpionieren vor Ort. Der IdeenPark begrüßte Besucherin Nummer 111111: die fünfjährige Anna aus Hildesheim. Zusammen mit ihrem Bruder Christian und ihren Eltern Sabine und Karl-Wilhelm Klötergens hatte sie sich am Vormittag in die Besucherschlange eingereiht.
„Erst haben wir uns ein bisschen geärgert“, erinnerte sich der Familienvater schmunzelnd, „genau vor unserer Nase hat man das Band wieder zugezogen und wir durften nicht mit dem Schwung rein. Wir waren dann aber umso überraschter, dass wir unmittelbar danach erleben durften, dass die Anna die 111.111te Besucherin war.“
Nur kurze Zeit später bekam Anna dann aus den Händen des Vorstandsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG Dr. Ekkehard Schulz eine handlichen Ausgabe des IdeenPark-Sterns überreicht und wurde von ihm zusammen mit ihrer Familie zu einer Erlebnistour quer durch die Stahlwerke Duisburg eingeladen.
Vom IdeenPark erfahren hatte die Familie im Fernsehen, genauer gesagt hatte der siebenjährige Christian das Wüstenschiff Desert Liner und die Magnetschwebebahn SupraTrans auf der Mattscheibe verfolgt – zwei Highlights des Technik-Festivals. Auf einzelne Exponate möchte sich die Familie aber dennoch nicht festlegen. Sabine Klötergens: „Wir wollen uns einfach treiben lassen und schauen, was die Kinder interessiert und was sie gucken möchten.“

460 PS auf der Teststrecke

Ein Teil des IdeenPark-Mottos wartete gestern auf der ADAC-Teststrecke jenseits des Deutschen Pavillons. Technik erleben, genauer gesagt die Hightech, die im schwarz-silbernen 460PS-DTM-Boliden des „Audi Sport Team Abt Sportsline“ stecken, konnte man als Beifahrer im DTM-Taxi. Umhüllt von einer Sicherheitszelle aus Kohlefaser, das Vierliter-Triebwerk direkt vor den Füßen und in Höhe der Rückbank eines normalen A4 sitzend, „chauffierte“ Profi-Rennfahrer Christian Abt IdeenPark-Besucher mit rauchenden Reifen über den Rundkurs.