27. Mai 2006

Was kommt heute?

Bewegung – darum dreht sich der heutige IdeenTag. Wie Vorstellungskraft und innovative Technik Dinge in Bewegung versetzt, das zeigt sich auf und in der Nähe des Expo-Geländes. So treffen sich auf dem ADAC-Fahrsicherheitszentrum die Teams der „Formula Student“, um mit ihren selbst konstruierten Boliden zu Testfahrten aufzubrechen. Im IdeenTalk treffen sich wahre Bewegungsprofis wie Jens Rehhagel von Hannover 96 und Bobpilotin Susi Erdmann, um mit Helge Haas über die „Jagd nach Rekorden“ zu diskutieren. Und bei der Ideenshow kann man den achtbeinigen Bewegungsapparat des Laufroboters „SCORPION“ in Aktion erleben – jetzt noch auf der Showbühne, morgen vielleicht schon als robotischer Kundschafter in den Weiten des Mars unterwegs.

Was war gestern?

Hoher Besuch betrat gestern den Deutschen Pavillon: Bundeskanzlerin Angela Merkel stattete dem IdeenPark einen Besuch ab und nahm in Begleitung des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff sowie des Vorstandsvorsitzenden von ThyssenKrupp Ekkehard Schulz einige der 150 Exponate genauer in Augenschein. Ein Heimspiel für die promovierte Physikerin, die sich dann auch ganz ausführlich mit den Forscherinnen und Forschern vor Ort über die vorgestellten Exponatthemen austauschte. „Für die Politik lernt man hier, dass man den Sachen auf den Grund gehen muss“, so die CDU-Politikerin. „Es gibt nichts Schlimmeres, als irgendwo hin zu gehen und sich nicht zu trauen, Fragen zu stellen.“

Engagierte Rede der Bundeskanzlerin

Nach Stationen in den einzelnen Themenfeldern „Mobilität“, „Leben und Umwelt“ und „Kreativität“ sowie Grußworten von Ekkehard Schulz und Christian Wulff richtete die Kanzlerin dann im August-Everding-Saal ihre Worte direkt an Besucher und Gestalter des IdeenPark. Merkel appellierte an "Leidenschaften, Ideen, Wissensdrang, Lust und Laune" der Deutschen. Das Land dürfe mit seinen Erfindungen und Innovationen nicht hinter dem Berg halten. Die Kanzlerin forderte: "Wir müssen erstens Ideen haben und zweitens aus diesen Ideen etwas machen."
Einen weiteren Schwerpunkt legte Angela Merkel in ihrer engagierten Rede auf die Rollenverteilung in technischen Gebieten und betonte,
noch immer seien Frauen in technischen Berufen deutlich in der Unterzahl. Sie forderte die Mädchen auf, sich bereits im naturwissenschaftlichen Schulunterricht kein Experiment von Jungen aus der Hand nehmen zu lassen. „Ich bin überzeugt“, so Merkel, „die Gehirnwindungen von Mädchen sind ähnlich geeignet für technische Berufe wie die von Jungen.“

Benz mit Intelligenz

Wir wollen den VIP-Rundgang mit Deutschlands First Lady einmal zum Anlass nehmen, ein Highlight ganz in der Nähe des Startpunkts der Route der Bundeskanzlerin etwas genauer zu betrachten: einen ganz besonderen Benz.
Der Gedanke, bei voller Fahrt die Hände in den Schoß zu legen, erscheint schon ziemlich verwegen – aber auf dem IdeenPark haben Ingenieure auch für diesen Fall eine Lösung parat. Das „sehende Auto“ ist ein Prototyp auf Basis eines alten S-Klasse-Mercedes. „Es ist ein selbstständig fahrendes Fahrzeug“, erläutert Markus Speidel vom Verkehrszentrum des Deutschen Museums, „und vor zehn Jahren 1.600 Kilometer komplett selbstständig gefahren.“ Passagierlos war das Mercedes während der Autobahnfahrt von Süddeutschland nach Dänemark keineswegs; aber die Ingenieure an Bord beschränkten sich darauf, die Technik zu überwachen. Das Fahrzeug steuerte selbstständig – auch bei Überholmanövern – und das bei einem Spitzentempo von 180 km/h.
Außen Klassiker, innen Hightechfüllung. Durch die Scheiben schimmern Bildschirme, Computer und diverse Kameras. „Der große Trick bei dieser ganzen Sache ist: dieses Fahrzeug steuert sich über Video-Kameras“, erklärt Speidel. „Und diese Video-Kameras arbeiten so geschickt, dass sie das menschliche Sehen nachahmen.“ Die Nobelkarosse konzentriert sich dabei nur auf das Wesentliche. Speidel: „Nur dadurch ist es überhaupt möglich, ein Fahrzeug in Echtzeit über eine vollbesetzte Autobahn zu fahren.“
Seit der damaligen Testfahrt ist die Technik ein gutes Stück weiter. Bei den inzwischen in den USA stattfindenden Wüstenrallyes der selbstfahrenden Fahrzeuge würde der „Oldtimer“ keine gute Figur abgeben. „Diese Fahrzeuge können etwas, was dieses Fahrzeug nicht kann“, betont Speidel. „Sie können Texturen erkennen – also Oberflächen. Sie können entscheiden, worauf sie fahren können, und worauf nicht.“ Der Mercedes jedoch ist dazu nicht in der Lage. „Dieses Auto kann sich praktisch nur auf der Straße entlang hangeln.“ Seine besondere Leistung liegt vielmehr in seiner Reaktionszeit – die ist nämlich extrem kurz. Die Wüstenfahrzeuge hingegen können ihre Tour mit einer gewissen Gelassenheit angeben. Außer vereinzelten Konkurrenten gibt es auf der Wüstenstrecke keinen Verkehr. Und angesichts eines Hindernisses können sie die Fahrt unterbrechen, um einen Umweg zu berechnen. Klar, dass das auf der Überholspur der A3 nicht geht.