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Neugierde, Ehrgeiz und Aussicht auf Erfolg. Das ist der Stoff, der junge Menschen dazu antreibt, bei „Jugend forscht“ mitzumachen. Unternehmen wie „Rothe Erde“ unterstützen sie gerne dabei.

Jugend forscht – Ein Wettbewerb als Impulsgeber

Wenn junge Menschen zeigen, was in ihnen steckt.

Andreas Deutsch erinnert sich noch gut. Es war Anfang 1998, als ein Brief von der Konzernleitung auf seinem Tisch in Lippstadt landete. Darin die Frage, ob eine Teilnahme an dem „Jugend forscht“-Wettbewerb für das Unternehmen Rothe Erde nicht interessant sei. Herr Deutsch war damals seit knapp vier Jahren Ausbildungsleiter und nahm den Ball, der ihm zugespielt wurde, dankbar auf.

Und so befasste er sich zum ersten Mal intensiv mit diesem Wettbewerb. „Ich erfuhr unter anderem, dass bei „Jugend forscht“ Jugendliche im Alter von 15 ist 21 Jahren teilnehmen können. Es gibt Ausscheidungen zuerst in den Regionaldann in den Landeswettbewerben und schließlich im jährlichen Bundeswettbewerb. Das Niveau, bekam ich in den folgenden Jahren mit, ist so hoch, dass bereits ein Sieg im Regionalwettbewerb ein großer Erfolg ist.“

Vorher unterforderte man mit der Arbeit eine teure CNC-Fräsmaschine, jetzt macht die „Jugend forscht“-Konstruktion die gleiche Arbeit – billiger.
1998 gab Andreas Deutsch den Startschuss für die Teilnahme am „Jugend forscht“-Wettbewerb in seinem Ausbildungsbetrieb. Das Unternehmen ist der weltweit führende Hersteller von Großwälzlagern, die bis 8.000 mm Durchmesser in geschlossener Ausführung und darüber hinaus in segmentierter Ausführung in Lippstadt hergestellt werden. „Diese Teile werden für schwere Drehkräne in Häfen benötigt, für Windkraftanlagen oder auch für die Vortriebsmaschinen im Tunnelbau. Sie müssen enorme Kräfte aufnehmen können und werden daher mit geringsten Toleranzen gefertigt – echte Hightech-Arbeit. Entsprechend viel Wert legen wir auf die Ausbildungsqualität. Insofern kam uns der Vorschlag mit ‚Jugend forscht‘ sehr gelegen.“

Pro Jahrgang bilden Andreas Deutsch und seine drei Kollegen circa 25 Jugendliche zum Zerspanungs- oder Industriemechaniker aus, das macht in allen Lehrjahren zusammen zurzeit 76 Jugendliche. Darunter müssten doch einige Interessierte zu finden sein? Wie sich herausstellte, war es kein Problem, die Wettbewerbsaspiranten zu finden. Hendrik Gerken, der zusammen mit Daniel Vogt und Kai Kückelheim 2008 selbst bei einem Wettbewerb mitmachte, sagt: „Für mich war es einfach eine schöne Herausforderung. Etwas selbst zu planen, auszuarbeiten, zu produzieren und dann zu präsentieren. Dummerweise stand unsere Maschine die Nacht vor dem Wettbewerb auf dem LKW, war also total kalt, als wir sie morgens der Jury präsentierten. Die lief dann nicht richtig rund. Das kostete uns den ersten Platz in der Regionalausscheidung – schade. Für mich war es aber wichtig, zu sehen, dass ich in der Lage bin, mich mit zwei Kollegen und Herrn Deutsch zusammenzusetzen und so eine doch recht komplexe Sache durchzuziehen. Jetzt steht die Maschine in der Halle und läuft. Und zwar perfekt.“ Man merkt heute noch den Trotz in Hendrik Gerkens Stimme.


Sahen den „Jugend forscht“-Wettbewerb als Gelegenheit, ihr Können zu zeigen: Daniel Vogt und Hendrik Gerken von dem ThyssenKrupp Unternehmen Rothe Erde.

Für Andreas Deutsch sind die Jungen ein gutes Beispiel: „Es zeigt uns, dass ‚Jugend forscht‘ die Auszubildenden herausfordert. Er motiviert sie, sich über die normale Ausbildung hinaus zu engagieren. Sich in neue Gebiete vorzutasten. Sie können sich gut vorstellen, dass das die Ausbildungsqualität erhöht. Außerdem wirkt ihr Beispiel auch auf die anderen. Mittlerweile ist es so, dass ich mehr Wettbewerbsaspiranten habe, als ich betreuen kann, zumal ich diese Arbeit neben meiner hauptamtlichen Arbeit leisten muss. Umso schöner ist es, dass wir so erfolgreich sind. Wir haben in den letzten zehn Jahren ganz gut abgeräumt.“ Der Ausbildungsleiter hat allen Grund, stolz zu sein. Denn seine „Jungs“ haben fast jedes Jahr den ersten Preis im Regionalwettbewerb gewonnen. Bis auf eben jenes verflixte Jahr 2008, bei dem nur der zweite Platz heraussprang. Aber wie es so ist: Tragödie plus Zeit ist Komödie. Und darum ist Daniel Vogt, der die Maschine mitkonstruierte, nicht mehr traurig und freut sich „über die vielen Sachen, die wir da gelernt haben. Außerdem hat mich der Erfolg ermutigt, mein Fachabitur 2009 anzugehen.“ Darüber ist sein Ausbildungsleiter besonders stolz: „Alle drei wollen sich weiterqualifizieren und nach dem Fachabitur Maschinenbau studieren. Noch schöner ist, dass sie bei uns als Ingenieure wieder anfangen möchten.“

Was Andreas Deutsch noch nicht weiß, ist, dass Daniel Vogt dann gerne eine „Jugend forscht“-Truppe als Betreuer übernehmen würde. Nicht nur, um für Entlastung zu sorgen, sondern weil er mit dem Wettbewerb sehr erfolgreiche und inspirierende Monate verbindet. Es war auch nicht zum Schaden der Jungen. Denn die Geschäftsleitung von Rothe Erde weiß sehr wohl, ihr Engagement zu schätzen. Zum einen, weil der Qualifizierungsgrad signifikant steigt. Und weil die Jugendlichen Innovationen entwickeln, die das Unternehmen zu seinem eigenen Vorteil selbst nutzen kann. Darum belohnen sie den Einsatz mit finanziellen Zuwendungen und geben den meisten Wettbewerbsteilnehmern die Möglichkeit, ausländische Produktionsstandorte zu besuchen. 2008 durften Daniel, Hendrik und Kai auch zum IdeenPark, um ihre selbst konstruierte Maschine zu präsentieren. Ein ganz besonderes Ereignis. Daniel Vogt: „Es war superklasse. So viele Menschen waren so begeistert – das hatte ich nicht erwartet. Das war etwas völlig Neues für uns.“ 2010 organisiert ThyssenKrupp den Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ in Essen. Jede Wette, dass die drei dort wieder dabei sind? Dann als Besucher.



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URL: http://www.zukunft-technik-entdecken.de/aktivitaeten/jugend-forscht-reportage/
Stand: 17.05.2012